Zurück im Kindergarten

Vor 3 Wochen habe ich von der Primaria wieder in den Kindergarten gewechselt. Jetzt sind es also drei bis siebenjährige Kinder, die ich von Mittwoch bis Freitag im Storchennest begleite. Meine erste Woche war ruhig und gelassen, einige Kinder waren krank und die die da waren, haben sich schnell an mich gewöhnt. Ich habe das seltene Glück, mit 2 KollegInnen ca. 18 Kinder betreuen zu dürfen. Das ist wichtig, weil 1) gibt es im Novibereich vom Storchennest 3 Bereiche (Bewegungsraum, Gruppenraum und Garten), die von den Kindern jederzeit benützt werden dürfen und 2) ist uns eine enge Betreuung, eine intensive Konfliktbegleitung, eine Beziehung auf Augenhöhe wichtig, das geht nur, wenn man auch genügend Zeit dafür hat.

Also alles schön, entspannt, bestens, viele Kinder kennen mich auch schon vom SpielRaum…

In Woche 2 passiert dann Folgendes: Beim Ausziehen in der Garderobe gibt es einen Konflikt, ein Kind haut ein anderes auf die Wange und ist auch gleich wieder weg. Den Hergang habe ich versäumt, weil ich noch im Garten war, ich hab also keine Ahnung, worum es geht. Alles geht so schnell, dass ich fast nicht mitdenken kann, B. weint, S. ist verschwunden.

Ich gehe langsam auf das weinende Kind zu, setze mich neben es und beschreibe, was ich gesehen habe: „Ojeh, das hat bestimmt weh getan, das war deine Wange!“ und dann kommt es: Der Junge hört schlagartig auf zu weinen, dreht sich auf meine Seite und schreit mich an:

„ICH WILL NICHT VON DIR GETRÖSTET WERDEN, DENN ICH LIEB DICH NICHT!“

Oha, das war ja eindeutig! Also gut, ich rücke ein Stück weiter weg und frag nach, ob ich jemand anderes holen soll. Nein, ich soll ganz weggehen, niemand soll kommen. Inzwischen stürmt der andere Bursche wieder herbei, fragt, warum B. weint. – Du hast mich gehaut! – Oh, das war nicht absichtlich, Entschuldiung. – und weg ist er wieder.

Ende des Konflikts. Der soll hier auch keine Rolle mehr spielen.

Was B. wirklich gesagt hat, ist das Spannende an der Geschichte. Er hat gesagt, dass er mich noch nicht gut genug kennt, um sich von mir trösten zu lassen. Natürlich, er kennt die Umgebung, die Regeln, das Überhaupt. Aber hier hat eine Betreuungsperson gewechselt und ich sollte nicht glauben, dass das den Kindern vollkommen egal ist. Und er hat eindeutig seine Grenze klargemacht. Bitte nicht überschreiten, bitte Abstand bewahren!

Klar, ich würde ihn nicht alleine lassen, auch, wenn er sagt, ich soll weggehen. Aber – ich werde einen Abstand einhalten, der für uns beide passend und der Situation angemessen ist.

Was für ein Glück er doch hat, dass er sich mit seinen 4 Jahren so sehr seiner eigenen Grenzen bewußt ist! Was für ein Glück er doch hat, dass er genau das sagen darf, was er braucht, ohne dafür verurteilt zu werden. Und was für ein Glück habe ich, mit diesen wunderbaren jungen Menschen meine Vormittage verbringen zu dürfen!

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